Das Kunstprojekt von Stefanie Grohs, das in Frankfurt/Main mit dem Titel „Mitten Unter Uns“ an das Konzentrationslager in den Adlerwerken inmitten von Frankfurt erinnert, ist mir erst durch den Twitteraccount „@mittenunteruns“ aufgefallen, Twitter hat eine Funktion, die einem meldet, wenn mehrere Twitterkontakte einen gleichen Twitteraccount folgen. Ich habe damals einfach „Folgen“ geklickt, ohne intensiver auf das Profil zu schauen – dass es sich um ein Konzentrationslager in Frankfurt handelt, ist mir aufgefallen.

Auf einmal fingen mehrere bekannte Frankfurter TwitterInnen an, über „Mitten Unter Uns“ und über Beschädigungen von Stoffbinden zu berichten.

Und dann ging es richtig schnell, auch als dann in der Presse über die Zerstörung berichtet wurde, hier bei der Frankfurter Rundschau. Ich konnte leider zeitlich nicht sofort helfen, hatte es aber vor und fast wieder vergessen, bis mich ein hallofrankfurt.de-Blogpost von S. – und dann ein Facebook-Beitrag der Frankfurter SPD-Politikerin Ulli Nissen daran erinnerten

Also mitten in der Nacht online bei „mittenunteruns.de“ für eine Teilnahme am Sonntag angemeldet, ob ich nun daheim oder in der Stadt „schwitzen“ würde war mir egal, ich wollte wissen was bei diesem Projekt abgeht und warum Personen diese Stoffbinden abreißen. Und natürlich wollte ich mehr über die Hintergründe erfahren. Und es war die beste Entscheidung hinzugehen und mitzumachen.

Im Historischen Museum fand eine Einführung des Kunstprojekts statt und auch einige Geschichten von KZ-Häftlingen wurde erzählt, ich musste mehrfach schlucken und mir eingestehen, das ich bis zum heutigen Tag nicht wusste, das mitten in Frankfurt ein KZ war und dort Menschen umgebracht wurden. Auch wie grausam ein Gewaltmarsch von Frankfurt in den Norden Hessens gewesen sein muss, bei der die Schwachen und Verletzten ihrem Schicksal selbst überlassen wurden, bzw. erschossen wurden. Ich hatte Tränen in den Augen und nicht, weil es eine weitere „historische Geschichtsstunde“ war, sondern weil einem plötzlich bewusst wurde, das es Menschen betraf, die „mitten unter uns“ in der Stadt „lebten“ (menschenunwürdig).

Und wie schnell einem die Ereignisse von damals mit der heutigen Zeit und den Geschehnissen mit Flüchtlingen und Flüchtlingsauffangzentren (ich mag das Wort Flüchtlingslager nicht!) einholen und sich dringend bewusst werden muss, wie wichtig Menschen unterschiedlichen Glaubens, Hautfarbe, Kultur für ein Zusammenleben ist. Und wie wichtig der Kampf gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und gegen Neonazis ist. Umso erschreckender, das bei solch einem Kunstprojekt das an das Vergangene erinnern und mahnen soll, Idioten und Arschlöcher (ja, was anderes sind sie in meinen Augen nicht!) die Stoffbinden mutwillig beschädigen und abreißen.

Nach der bewegenden Einführung erklärte Stefanie Grohs wie nun die weitere Vorgehensweise ist und wie wir gemeinsam in Teams Stoffbinden an die Bäume befestigen werden, das ganze Material wurde in den Tagen davor vorbereitet und durch Twitter auch informiert:

Also ging es dann los, um gemeinsam zu helfen – und während wir halfen, informierten wir mit Flyern vorbeigehende TouristInnen und Frankfurter BürgerInnen, die mehr über das Kunstprojekt wissen wollten (übrigens empfehle ich euch, falls ihr das noch nicht gemacht habt, dringend die Infos von mittenunteruns.de und auch die älteren Newsbeiträge durchzulesen). Durch diese Erfahrung und dem Mitmachen wird einem erst recht bewusst, wie dringend es ist, an die Verbrechen der Nazi-Zeit zu erinnern und vor rechten Gedankengut zu warnen und mittels solcher Kunstformen und Einbeziehung der MitbürgerInnen es fast schon zu einem gemeinsamen Projekt zu machen. Solche Gefühle und Gedanken hatte ich während wir die Stoffbinden aufhingen.

Tweet der Stadt Frankfurt:

 

Und die Presse (FR-online und FAZ) haben auch über die Aktion berichtet. Seit Sonntag schaue ich nun noch stärker nach den Stoffbinden und hoffe, das sie noch halten!

Vielen Dank Stefanie Grohs!!! Und auch danke an alle anderen MithelferInnen, war ein tolles nachhaltiges Erlebnis, auch die guten Gespräche untereinander waren sehr prägend.

 

(Dieser Blogbeitrag wurde auf meinem alten Blog veröffentlicht, aber ich kann ihn aus technischen Gründen nicht exportieren, daher ist er hier manuell und etwas editiert eingefügt worden. Einige Twitteraccounts gibt es nicht mehr, wie im anderen Beitrag noch verlinkt…)

 

Von alex

Bloggt seit 1999/2000, glücklicher Ehemann und Papa. Gebürtig aus der Uni-Stadt Tübingen und dann 2010 nach Frankfurt am Main gezogen. Von dort Ende 2022 weggezogen und leben glücklich im ländlicheren Raum. Mehr auf meiner Über mich-Seite