Schon länger wollte ich darüber schreiben, warum ich trotz des hohen Abo-Preises weiterhin die lokale Regionalzeitung FLZ digital abonniere. Als ich über Uberblogr dann bei Thomas Giegold dann gesehen hatte, dass er einen kleinen Blogbeitrag mit „Sorge um Regionalzeitungen“ erstellt hatte, dachte ich – dann wäre es auch Zeit hier als kleine Kurznotiz dazu was zu schreiben.
Es sind meine privaten Gedanken, ich erhebe keinen Anspruch auf journalistische Vollständigkeit. Andere können ein anderes Empfinden haben und auch anderer Meinung sein und andere Erfahrung haben, das ist ja das Gute – das ist auch erlaubt.

Lokale Monopolstellung
Viele Jahre war ich verwöhnt mit Zugriff auf Verlage oder Zeitungen in einer Großstadt wie Frankfurt am Main, wo auch über lokale Events oder auch kommunalpolitische Ereignisse in verschiedenen Zeitungen (und natürlich auch Onlineblogs/Onlinemagazine) und „neuen Medien“ mit journalistisch gehobenem Niveau informiert und berichtet wurde. Ist auch nicht mehr so üppig oder prall gefüllt inzwischen, ich weiß – aber es gab immerhin verschiedene Blickwinkel und Möglichkeiten, sich was auszusuchen.
Im ländlichen Raum ist das jedoch anders. Da gibt es nicht pro größere Stadt eine Lokalzeitung mit vielen Seiten Inhalt über die Stadt. Genau genommen ist der wirkliche lokale Teil der Fränkischen Landeszeitung Ausgabe beschränkt auf 1 bis maximal 2,5 Seiten. Und mit Lokal dann doch stärker 1,5 Seiten Regional (Stadtbezogen) Inhalte und dann folgen Umland und die Nachbarstädte wie Ansbach, Dinkelsbühl und Feuchtwangen und die vielen kleinen Orte drumherum. Die FLZ ist jetzt kein eigenes Verlagshaus, sondern unter einem großen Verlag – der eher auf größere Städte aus ist.
Die Regionalredaktionen und ihre Mitarbeiter*innen sind tolle Menschen, die mit viel Hingabe, Einsatz und auch wirklichem Interesse dann doch gute Geschichten und Berichte (auch vor allem über kommunalpolitische Entscheidungen) bringen und berichten. Luft nach oben ist immer, aber das kommt auch sicher auf die Leserschaft an. Anfangs waren wir noch Abonnenten der Printausgabe, aber der Umwelt zuliebe sind wir auf Digital umgestiegen. Die App ist jetzt nicht super, im Vergleich zu anderen Medienhäusern fühlt es sich 10-15 Jahre zurück an was Technik und Möglichkeiten betrifft – und hin und wieder werden die Digitalausgaben mal nicht „ausgeliefert“. Inzwischen passiert das pro Jahr 3-5 Mal und immer wieder sende ich eine E-Mail, dann entdecken sie das selbst, fixen es und ohne wirkliche Push-Nachricht (das kann die App sogar) wird der Inhalt nachgezogen.
Warum die Zeitung darauf nicht selbst kommt und das als Qualitätskontrolle nicht vorhält, erschließt sich mir nicht. Und auch an der Kommunikation mit Digital-Abonnent*innen kann gearbeitet werden. Wir sind die letzte Bastion vor dem „Nicht-Abo“ 😉
Okay, genug klein gerantet… Zurück zum Thema.
Lokale kommunale Politikberichterstattung – Luft nach oben vorhanden
Ach ja, dadurch, dass die FLZ bisher die einzige journalistische Publikation hier in der Region ist, geht auch eine Monopolstellung und Möglichkeit der Macht aus.
Deutlich auch zu spüren die letzten Jahre bezüglich Berichterstattung über progressive Politik (zb bei Grünen). Wobei sich das seit eineinhalb Jahren stark verbessert hat, auch durch die eigene Kommunikation mehr mit den Redakteur*innen abseits von nur Pressemitteilungen ins Gespräch zu kommen, auch ein besseres politisches Angebot zu schaffen und dass deutlich sichtbar wird, wenn auch außerhalb von CSU-Themen berichtet wird, dann haben rechtskonservative und faschistische Meinungen kaum mehr Platz gehört zu werden. Also daher an dieser Stelle volles Lob von mir an die Regionalredaktion und mit Leidenschaft arbeitenden Journalist*innen. DANKE!
Und dennoch habe ich Sorge. Die paar Instagram User Stories und Beiträge, die von der FLZ kommen sind gut – aber reichen nicht aus. Hier ist mir klar, dass dies auch finanziell und personell gut gestemmt werden muss und in Zeiten sinkender Abo-Zahlen ist das sicherlich existentiell eine sehr große Herausforderung. Aber ich bleibe noch Abonnent der Zeitung – zumindest im Digital Abo. Denn ohne meine finanzielle Beteiligung sehe ich schwarz für eine Demokratie ohne freie Presse und Berichterstattung.
Denn bei allen (für mich) fehlenden Möglichkeiten, bleibe ich dennoch auch informiert was in der Stadt los ist, was politisch stattfindet (wobei die Parteien da deutlich auch mehr Bringschuld in sich haben, nicht nur während Kommunalwahlen!!) und wo auch lokale Kultur- und Kunstszene passiert. Die restlichen Themen, dessen Nachrichteninhalte bekomme ich für mich ja von anderen Quellen. Aber die auf lokale Themen (auch hier wieder mein Empfinden) doch eingeschränkte konservative Sicht ist besser als nichts. Das läuft gut und ich wünsche mir da mehr Mut auch von den lokalen Chefredaktion hier mehr möglich zu machen. Vielleicht bin ich da als Zugezogener eine Ausnahme und ich habe wahrscheinlich nicht jahrzehntelange andere Berichterstattung erlebt und bin da voreingenommen. Oder vielleicht ist das ja das Gute daran.
Wenn ich einen Wunsch frei hätte – dann ein ein wirkliches Digital-Abo, wo ich monatlich einen Preis bezahle und ich kann selbst entscheiden, ob ich Inhalte aus Rothenburg, Dinkelsbühl und anderen Städten anschauen möchte per E-Paper oder in einer App. Und nicht darauf reduziert werde. Technisch ist das möglich. Und dann fände ich den Preis auch gut.
Deshalb FLZ – weiter und wirklich, mehr Mut wagen. Auch was die Technik betrifft. Nicht der KI verweigern. Im Gegenteil, sie nutzen – oder es ist auch wie im beruflichen Umfeld „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“. Für die FLZ sehe ich den Einsatz einer journalistischen KI – und nein ich meine jetzt nicht das Mainstream-ChatGPT (was Onkel Detlef oder andere in der Zeit technik-non-affinen Menschen, Detlef ist nur ein Platzhalter Namen) aus der BILD kennt..
Ich bleibe (noch) Digital-Abonnent, hatte ich ja geschrieben. Ich schreibe es dennoch gerne.
Blick zur Washington Post
Wie heißt es so schön und deprimierend zutreffend seit 2017 bei „The Washington Post“ – „Democracy Dies in Darkness“, Funfact: es gab auch den ersten und einzigen SuperBowl Werbespot dafür (Link).
Screenshot:

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Wie ist deine Erfahrung? Wie sieht die regionale oder lokale Presselandschaft bei dir aus?