Sonne ernten im Home Office: Wie ich mit Balkon-PV, Home Assistant und Škoda den Grundstein für unsere Energiewende lege

Wer viel von zu Hause arbeitet, hat energietechnisch einen riesigen Vorteil: Die Sonne scheint genau dann, wenn man auch da ist. Während Büropendler tagsüber zusehen müssen, wie der Solarstrom ungenutzt ins Netz fließt, lässt sich im Home Office der Eigenverbrauch aktiv steuern – vom Laptop-Arbeitsplatz über die Kaffeemaschine bis hin zum E-Auto auf dem Stellplatz.

Bis Ende 2026 steht bei uns der große Schritt an: Eine vollwertige Dachanlage mit Speicher, eine Multi-Split-Klimaanlage zum Kühlen und Heizen sowie eine professionelle, bidirektionale Wallbox (V2H/V2G).

Bis dieses Großprojekt realisiert wird, habe ich bewusst auf eine klassische 11-kW-Festinstallation verzichtet. Eine „dumme“ Wallbox wäre nur ein teurer Zwischenschritt gewesen. Erst im Verbund mit einer abgestimmten PV-Anlage und einem echten Smart-Meter-Gateway (statt des provisorischen IR-Lesekopfes auf dem Zähler) spielt eine moderne Wallbox ihre Stärken voll aus: Sie macht das E-Auto zum riesigen Heimspeicher auf Rädern, der das Haus nachts oder an sonnenarmen Tagen stützen kann – perspektivisch kombiniert mit dynamischen Stromtarifen.

Unterwegs decken wir den Ladebedarf unkompliziert beim Einkaufen oder auf Langstrecken ab (Lidl, EnBW, Aral pulse oder Ionity auf der Autobahn). Zu Hause reicht für das Standfenster am Schreibtisch aktuell eine mobile Wallbox, gedrosselt auf schonende 10 A (ca. 2,3 kW). Nachdem die Stadtwerke unseren alten Ferraris-Zähler durch einen digitalen Stromzähler ersetzt haben, war der Weg frei, diesen Ladevorgang digital und präzise über Home Assistant zu steuern.

Das Titelbild ist mit KI erstellt worden, und unser Skoda Elroq 85 sieht anders aus… 😉

Doch warum bis Ende des Jahres warten? Ich wollte nicht erst mit der großen Anlage lernen, wie smartes Energiemanagement funktioniert. Deshalb dient ein Solakon-Setup mit 4 Modulen und Speicher als echtes Testlabor – mit maximalem Fokus auf lokale Datenhoheit ohne Cloud-Abhängigkeiten.

Hinweis: Keine bezahlte Werbung, ich wurde weder von einem der genannten Firmen oder Anbieter (die hier erwähnt werden) finanziell oder anderweitig kontaktiert oder beinflusst, alles selbst privat bezahlt!

Hier das provisorische PV Modul Setup im Garten:

Field Testing: Bevor es aufs Terrassendach geht, liefern die 4 Module auf der Wiese wertvolle Daten für die Automatisierung.
Field Testing: Bevor es aufs Terrassendach geht, liefern die 4 Module auf der Wiese wertvolle Daten für die Automatisierung.


1. Die Strategie: Lokales Prototyping vor dem großen Rollout

Warum mit 4 Panels im Garten anfangen, wenn ohnehin eine Großanlage kommt?

  • Lernkurve bei Automatisierungen: Hysterese, Zeitverzögerungen und SoC-Logiken lassen sich an einem überschaubaren System ohne Risiko testen und optimieren.
  • Direkter Nutzen durch Home Office: Der Sockelverbrauch tagsüber (Rechner, Monitore, Router) wird sofort abgefedert, und Solarspitzen wandern direkt in den Fahrakku unseres Škodas.
  • Lokale Datenhoheit als Kernprinzip: Statt mich in proprietäre Hersteller-Clouds einzuloggen, die bei Serverausfällen oder API-Änderungen streiken, baue ich von Tag 1 an auf lokale Schnittstellen. Die Daten gehören auf den eigenen Server.
  • Zukunftssichere Logik: Ob der Überschuss von 4 Modulen oder später von 30 Modulen kommt – die Steuerungslogik in Home Assistant bleibt im Kern identisch. Später kommen lediglich die Multi-Split-Klimageräte als Heiz-/Kühlsenken und die bidirektionale Wallbox als Großspeicher hinzu.

Die Module wandern demnächst vom Rasen auf das Terrassendach. Doch schon jetzt liefert das Garten-Setup verlässliche Messwerte.

2. Das Gehirn: Home Assistant & Energy Dashboard

Alle Fäden laufen in Home Assistant zusammen. Das Energy Dashboard visualisiert die Flüsse in Echtzeit, während forecast.solar den Ertrag für den restlichen Tag prognostiziert:

Screenshot des HA Energy Dashboards mit aktueller Solarproduktion, Hausverbrauch und Speicherstatus an einem sonnigen Arbeitstag. 12.08.2026

Der Template-Sensor: Echter Überschuss für die Ladefreigabe

Da der kleine Heimspeicher Vorrang vor dem Auto haben soll, gibt der Sensor die Leistung erst frei, wenn der Pufferakku zu mindestens 75 % gefüllt ist:

# configuration.yaml
template:
  - sensor:
      - name: "PV Ueberschuss Ladefreigabe"
        unique_id: pv_ueberschuss_ladefreigabe
        unit_of_measurement: "W"
        device_class: power
        state: >
          {% set erzeugung = states('sensor.solakon_aktuelle_leistung') | float(0) %}
          {% set hausverbrauch = states('sensor.haus_aktueller_verbrauch') | float(0) %}
          {% set speicher_soc = states('sensor.solakon_speicher_soc') | float(0) %}
          
          {# Erst freigeben, wenn der Pufferakku zu mindestens 75 % voll ist #}
          {% if speicher_soc >= 75 %}
            {{ [ (erzeugung - hausverbrauch), 0 ] | max | round(0) }}
          {% else %}
            0
          {% endif %}

3. Die Brücke zum Škoda: Mobile 10-A-Wallbox trifft Smarthome-Aktor

Bis das finale Setup mit nativer Smart-Meter-Anbindung und bidirektionaler Wallbox einzieht, reicht die defensive Übergangslösung:

  • Unterwegs: Schnelles Nachladen bei EnBW, Lidl, Aral pulse oder Ionity deckt die Kilometer für Ausflüge und Langstrecken komplett ab.
  • Zu Hause: Eine mobile Wallbox, eingestellt auf 10 Ampere (ca. 2,3 kW), schont Leitungen und passt perfekt zu den langen Standzeiten am Schreibtisch.

Um den Ladevorgang automatisiert einzubinden, greifen zwei Komponenten ineinander:

  1. Der Aktor: Eine smarte, hochbelastbare Schaltsteckdose mit exakter lokaler Leistungsmessung (z. B. Sonoff S61s), die als Ladeschütz dient.
  2. Die Telemetrie: Die offizielle Škoda API in Home Assistant. Sie liefert unverzichtbare Statuswerte:
    • Ist das Ladekabel gesteckt? (binary_sensor.skoda_charging_cable_connected)
    • Wie steht der Akku? (sensor.skoda_battery_percentage)
    • Wird das Alltags-Ladelimit (z. B. 80 %) respektiert?

4. Die Automationslogik: Laden ohne Relais-Flattern

Da die mobile Wallbox mit 10 A rund 2.300 Watt zieht, müssen Solarenergie und Hausspeicher Hand in Hand arbeiten. Bei wechselnder Bewölkung darf das System keinesfalls im Minutentakt schalten.

Die Lösung ist eine saubere zeitliche Entprellung (Hysterese):

# automations.yaml: Starten bei ausreichend Puffer & Solarleistung
alias: "Škoda: Mobile Wallbox (10A) START"
trigger:
  - platform: numeric_state
    entity_id: sensor.pv_ueberschuss_ladefreigabe
    above: 1200 # Signifikanter Solarüberschuss vorhanden
    for:
      minutes: 5 # Mindestens 5 Minuten stabiler Ertrag
condition:
  - condition: state
    entity_id: binary_sensor.skoda_charging_cable_connected
    state: "on"
  - condition: numeric_state
    entity_id: sensor.skoda_battery_percentage
    below: 80 # Ladelimit beachten
  - condition: numeric_state
    entity_id: sensor.solakon_speicher_soc
    above: 75 # Pufferakku voll genug, um Schwankungen abzufedern
action:
  - service: switch.turn_on
    target:
      entity_id: switch.sonoff_mobile_wallbox
  - service: notify.notify
    data:
      title: "PV-Ladung aktiv"
      message: "Mobile Wallbox freigegeben – Škoda lädt mit 10 A."
# automations.yaml: Stoppen bei anhaltendem Netzbezug
alias: "Škoda: Mobile Wallbox (10A) STOPP"
trigger:
  - platform: numeric_state
    entity_id: sensor.haus_netzbezug
    above: 400
    for:
      minutes: 10 # 10 Minuten Kulanzzeit für vorüberziehende Wolken
condition:
  - condition: state
    entity_id: switch.sonoff_mobile_wallbox
    state: "on"
action:
  - service: switch.turn_off
    target:
      entity_id: switch.sonoff_mobile_wallbox

Blick nach vorn: Der Fahrplan bis Ende 2026

Das aktuelle Balkon-Setup ist kein isoliertes Bastelprojekt, sondern das Fundament für ein umfassendes, autarkes Energiesystem:

  1. Schritt 1 (in Kürze): Umzug der 4 Module vom Rasen auf das Terrassendach – feste Montage mit Stockschrauben, Aluschienen und saubere Kabelführung.
  2. Schritt 2 (bis Ende 2026): Installation der großen Dachanlage samt stationärem Großspeicher und nativer Smart-Meter-Anbindung (Ablösung des IR-Lesekopfes für latenzfreie Messung auf allen drei Phasen).
  3. Schritt 3: Bidirektionale Wallbox (V2H/V2G): Der Fahrzeugakku wird zum vollwertigen Bestandteil des Hauses. Überschüsse wandern ins Auto; bei Bedarf speist das Fahrzeug zurück ins Hausnetz, um teure Verbrauchsspitzen oder die Grundlast abzufedern (ausgenommen sonnenarme Wintertage oder Tiefststände).
  4. Schritt 4: Lokale Wärmepumpen-Logik: Einbindung der Multi-Split-Klimaanlage (vollständig lokal über Home Assistant angebunden). Sie fungiert als dynamische thermische Senke – im Sommer zum Kühlen mit direktem Solarstrom, in der Übergangszeit und im Winter als hocheffiziente Zuheizung, abgestimmt auf PV-Ertrag und mögliche dynamische Stromtarife.

Die geplante Blog-Serie

Weil in jedem dieser Schritte eine Menge handfeste Praxis und Detailarbeit steckt, teile ich das Projekt in vertiefende Einzelbeiträge auf:

  • Teil 1: Das Terrassendach-Upgrade: Mechanische Montage der 4 Solakon-Panels, Unterkonstruktion, Kabelführung und Ertragsvergleich Garten vs. Dach.
  • Teil 2: Lokale Datenhoheit in Home Assistant: YAML-Templates, Entprellung, das Energy Dashboard, Zähler-Auslesung (vom digitalen Stromzähler über den IR-Kopf zum Smart Meter) und die Einbindung des Solakon-Speichers ohne Cloud-Zwang.
  • Teil 3: Škoda API & die mobile 10-A-Wallbox: Steuerung, Vor- und Nachteile des defensiven Ladens, API-Aufweckzyklen und das Zusammenspiel mit Unterwegs-Laden.
  • Teil 4 (Roadmap): Das finale Energiesystem – Großanlage, Multi-Split-Klima als Wärmepumpe, dynamische Tarife und der Weg zu echtem Bidirektionalem Laden (V2H).

Setzt ihr bei eurem Energiemanagement auch auf lokale Kontrolle statt Cloud-Lösungen? Welche Erfahrungen habt ihr mit Smart-Meter-Einbindung oder der Vorbereitung auf V2H gemacht? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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