Solidarität mit AkademikerInnen in der Türkei / Spontankundgebung in Tübingen

Bei meinem Besuch vor zwei Wochen Anfang Februar in Tübingen kam ich bei einer spontanen Kundgebung auf dem Holzmarkt vorbei. Als ich sah, dass unter den AktivistInnen auch Heike Hänsel (MdB, Die Linke) war, ging ich näher und erkundigte mich, wogegen oder wofür man auf den Treppen vor der Stiftskirche stehe und demonstrierte.

https://twitter.com/alexschnapper/status/830378523101630464

Heike und andere türkische AktivistInnen standen gemeinsam mit Betül Yilmaz auf dem Holzmarkt, um gegen ihre Kriminalisierung in der Türkei zu demonstrieren. Sie hatte sich mit anderen AkademikerInnen mit einer Unterschrift für den Frieden in der Türkei stark gemacht und daraufhin wurde sie von der Universität Ankara entlassen.

Ich hatte von Unruhen in Ankara durch die Nachrichten erfahren (guter Artikel vom Deutschlandradio dazu) und auf plötzlich war der Konflikt dort nicht mehr so weit weg, sondern ganz nah und mit Betül Yilmaz eine betroffene Akademikerin mir direkt gegenüber. Sie hat sich mit Klebestreifen ihren Mund zugeklebt aus Protest. Damit signalisiert sie ihre von der Türkei genommene Freiheit.

Nun ist auch der SWR auf sie aufmerksam geworden, Screenshot von der SWR Mediathek-Seite (mit Link zum Videobeitrag)

Vielen Dank an Heike für Deinen Einsatz und die Unterstützung und Solidarität vor Ort in Tübingen. Und Danke an Betül Yilmaz, die weiterhin für die Freiheit und Frieden in der Türkei kämpft und mit den Kundgebungen in Tübingen auch andere für dieses komplexe Thema wachrüttelt und informiert.

Ich hatte die Erlaubnis damals vor Ort eingeholt Fotos zu machen und auch zu verbreiten, damals auf Twitter, jetzt folgte dieser Blogbeitrag dazu.

Fotos Lizenz CC-0

Tübingen: Eberhardskantorei zum Gedenken an Kriegsende vor 70 Jahren

Ich kann nicht hin, möchte aber auf folgendes hinweisen und empfehlen:

Zum Gedenken an das Kriegsende vor 70 Jahren am 8. Mai 1945 gibt es zwei Aufführungen der Eberhardskantorei.

Frank Martin „In Terra Pax”
Felix Mendelssohn Bartholdy „115.Psalm”
Arvo Pärt „Silouans Song” (für Streichorchester)

1. Aufführung Friedenskirche Ludwigsburg
Samstag, 9. Mai 2015 um 20 Uhr
2. Aufführung Stiftskirche Tübingen
Sonntag, 10. Mai 2015 um 19 Uhr

Cornelia Winter, Heidelberg (Sopran)
Annette Kohler-Welge, Frankfurt (Alt)
Sebastian Hübner, Heidelberg (Tenor)
Matthias Horn, Heidelberg (Bariton)
Thomas Scharr, Stuttgart (Bass)
Joachim Bamberg, Piano I
Christian Hahne, Piano II
Concerto Tübingen
Stuttgarter Blechbläserensemble

2015_05_terrapax

Juristisches Nachwehen wegen Prügelvideo aus Tübingen

Ihr erinnert euch noch? Letzten November tauchte im Netz (hauptsächlich auf Facebook) das Prügelvideo aus Tübingen von den Jugendlichen auf, ich bloggte darüber wie man/frau das Video bei Facebook melden könnte, und auf vielen Kommentaren von Leuten die es teilten gab es unterschiedliche Reaktionen – der Tenor des Ganzen war, das viele über die Tat erschrocken waren.

Nun fand die nicht-öffentliche Gerichtsverhandlung in Tübingen statt, das schwäbische tagblatt berichtet.

Ich werde hier keine Wertung über die Jugendlichen äußern, das ist so schäbig und billig von der Tastatur aus. Jedenfalls bin ich eher geschockt, wie sehr es bei Facebook „normal“ geworden ist oder wurde, schockierende (Gewalt) Videos/Fotos zu teilen und darüber dann auch Kommentare zu schreiben. Und die meisten Kommentare sind einfach unterirdisch. Anscheinend gibt es keine Medienkompetenz oder Erziehung in den Fragen des privaten Datenschutzes und des Recht am eigenen Bild. Völlig zurecht finde ich daher das Urteil der Richter, wie hier von tagblatt.de zitiert:

In ihrem Urteil folgten die Richter weitgehend den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Die Richter hoben dabei hervor, dass das Opfer durch die Verbreitung des Videos im Internet weiter beständig mit der Tat konfrontiert bleibt.

Vielleicht auch anders erklärt. Das Internet vergisst nichts. Auch und erst recht nicht Facebook. Das mag sich für Jugendliche langweilig oder gaga anhören, aber die Situation kann eintreffen, bei denen die Jugendlichen sich irgendwo bewerben möchten und die Person ihnen gegenüber erkennt die Jugendlichen durch das dämliche Video von damals. Und schon sind ihre beruflichen Chancen eingeschränkt worden. Ich meine hier nicht nur die Täterinnen, sondern spreche auch von der Misshandelten (Opfer) die weiterhin keine Chance hat sich zu wehren.

Das ich die Aktion und die Gewalt für dämlich halte ist klar, für saudämlich und verantwortungslos ist die Person, die das Video online und erst publik gemacht hat – nebenbei, auch hier hätte die politische Forderung der Vorratsdatenspeicherung (SPD-Deutsch: Mindestspeicherfrist) nicht geholfen. Die Tat ist schon längst passiert.

Ich sehe es wie das Gericht:

„Auch Filmen kann Gewalt sein“

Eure Meinung?