Ein Abend, viele Interessierte
Am Dienstag, 13. Oktober 2026 ging es im Landgasthof Bergwirt in Herrieden-Schernberg um die Frage, welche Chancen eine Öko-Modellregion für die Region Ansbach bieten könnte. Eingeladen hatten der BUND Naturschutz (Kreisgruppe Ansbach), die AbL, Demeter, Naturland, Biokreis und Bioland.

Der Saal war gut gefüllt. An den langgezogenen Tischen saßen Landwirtinnen und Landwirte, Verbandsleute und Interessierte, zwischen kalten Getränken, Abendessen und ausliegenden Programmheften. Die Stimmung war aufmerksam und angenehm unaufgeregt.
Wer auf dem Podium war
Für die fachliche Seite waren mehrere Referierende eingeladen:
- Anke Neumeier (Betreuung Öko-Modellregionen, Kompetenzzentrum Ökolandbau, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft)
- Edith Rottenberger (Ökoumstellungsberaterin, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten)
- Ulrike Luber und Ulrich Hirschmüller (Öko-Modellregion Nürnberg, Nürnberger Land, Roth)
- Dr. Wilhelm Pflanz (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf)
Klaus Feckler vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken moderierte.
Bio in Bayern: Die Zahlen
Besonders hängen geblieben sind mir die im Saal gezeigten Folien mit den Zahlen zur Lage in Bayern. Ich habe versucht mitzuschreiben, garantiere aber nicht für die Genauigkeit der Daten. Sie geben meine Notizen und Erinnerung wieder.
Demnach gab es 2026 rund 10.750 Biobetriebe im Freistaat Bayern. Das sind etwa 11 Prozent aller Betriebe. Sie bewirtschaften ca. 422.000 Hektar, knapp 14 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche.
Interessant war die Entwicklung: Seit 2023 (damals über 11.000 Biobetriebe) ist die Zahl der Betriebe um rund 520 zurückgegangen. Die Bio-Fläche ist in derselben Zeit aber weiter gewachsen. Nach einem kräftigen Wachstum bei Fläche und Betrieben seit 2012 hat sich der Zuwachs seit etwa 2023 deutlich abgeflacht. Es gibt also weniger, aber im Schnitt größere Biobetriebe.
Wo Bayern schon bei 30 Prozent steht
Eine weitere Folie zeigte Landkreise, die das 30-Prozent-Ziel bei der Ökofläche erreicht haben oder knapp davor stehen. Soweit ich es mitbekommen habe, sah es ungefähr so aus:
| Landkreis | Anteil Ökofläche | Anteil Biobetriebe |
|---|---|---|
| Miesbach | ca. 39 % | ca. 36 % |
| Lindau (Bodensee) | ca. 33 % | ca. 28 % |
| Bad Kissingen | knapp 30 % | ca. 19 % |
| Aschaffenburg | ca. 27 % | ca. 16 % |
Auffällig fand ich, dass der Flächenanteil überall höher liegt als der Betriebsanteil. Besonders deutlich ist das in Aschaffenburg und Bad Kissingen. Dort bewirtschaften Biobetriebe offenbar überdurchschnittlich viel Fläche.
Und bei uns im Landkreis Ansbach?
Auch zum Landkreis Ansbach gab es Zahlen zur Größenstruktur. Die landwirtschaftlichen Betriebe sind hier im Schnitt rund 39 Hektar groß (insgesamt gut 3.100 Betriebe). Die knapp 170 Biobetriebe kommen auf durchschnittlich etwa 48 Hektar.
Konkreter wurde es bei den Haupterwerbsbetrieben: 63 Biobetriebe im Haupterwerb bewirtschaften im Schnitt etwa 81 Hektar, gut 50 davon halten Tiere. Dem stehen knapp 1.000 konventionelle Haupterwerbsbetriebe mit durchschnittlich etwa 85 Hektar gegenüber. Im Haupterwerb sind Biobetriebe also kaum kleiner als konventionelle, und die meisten haben Tierhaltung. Das hat mich ein bisschen überrascht.
Der Ausblick: Wertschöpfung in der Region
Der Ausblick drehte sich um die Gründung einer Öko-Modellregion. Ziel ist es, regionale Wertschöpfungsketten mit Verarbeitern und Abnehmern aufzubauen. Das soll bestehende Biobetriebe stärken und umstellungswilligen Betrieben den Einstieg erleichtern. Ein Punkt gefiel mir besonders: Auch konventionelle Betriebe profitieren in bestehenden Öko-Modellregionen vom Wissenstransfer, etwa zu Weidehaltung oder Schlachtung.
Austausch und Mitmachen
Richtig gut gefallen hat mir, was nach den Vorträgen und Impulsen passiert ist. Verschiedene Landwirtinnen und Landwirte meldeten sich zu Wort und brachten ihre Meinung zur Ökomodellregion (ÖMR) ein. Sie schilderten auch ihre Ansichten und Erfahrungen aus jahrzehntelanger Vorarbeit als Biobetrieb in dieser und in benachbarten Regionen. Die Saalmikrofone betreute Isabella Hirsch.
Außerdem verteilte Mitorganisatorin Sophia Göppel-Kraft zwei verschiedenfarbige Karten zu zwei Fragen (kann mich leider nicht mehr genau an die Fragen erinnern), die die Besucherinnen und Besucher ausfüllen konnten. Die Ideen und das Feedback wurden auf zwei Boards gruppiert und vorgelesen. Sie sollen im Nachgang noch bearbeitet und für weitere Treffen ausgearbeitet werden. So bleibt der Abend nicht bei einer reinen Informationsveranstaltung stehen. Außerdem betonte Sophia Göppel-Kraft, die auch im Kreistag Ansbach für die Grünen sitzt, wie wichtig deutliche Signale in Richtung Landrat und politische Weiterentwicklung sei, dies unterstützte auch der stellvertretende Landrat Dr. Jürgen Pfeiffer aus Heilsbronn (CSU). Politik könne nur den Rahmen schaffen, umgesetzt werden könne das Ganze nur gemeinsam. Mit diesem Appell motivierte er viele im Saal zur Zusammenarbeit.
Mein Eindruck
Für mich als völlig fachfremde Person war der Abend sehr informativ. Ich habe viele, auch junge, Landwirtinnen und Landwirte gesehen, die sich aktiv über eine umweltfreundlichere, tierfreundliche und qualitativ hochwertige Erzeugergemeinschaft oder Initiativen austauschen und vernetzen möchten. Mit einigen kam ich danach auch kurz ins Gespräch und war beeindruckt, was probiert und auch bewährt ist.
Ich habe bei den Zetteln „Transparenz & Fair und Nachhaltigkeit“ und „Digitalisierung“ geschrieben und diese eingereicht, weil mir diese Themen in der Diskussion oder bei den Fragen und Antworten zu kurz gekommen sind. Aber das waren auch nur meine Sichtweise oder Input dazu, kann auch sein, dass die Landwirtschaft da schon sehr fortgeschritten ist.
Ich zähle mich eher zu der Gruppe der Verbraucher/Konsumenten (Endverbraucher) und war deshalb offen und interessiert in die Veranstaltung hingegangen. Und konnte bei einigen Betrieben nun auch die Gesichter dahinter sehen und ihre Geschichten zuordnen. Ich finde, dass solche Veranstaltungen noch mehr Menschen anziehen und einladen sollten, die wie ich jetzt nicht direkt mit der Landwirtschaft zu tun haben, aber an einer Entwicklung einer Öko-Modellregion interessiert sind. Denn hier können alle profitieren. Der Abend hat jedenfalls gezeigt, dass das Thema bewegt. Der volle Saal war für mich das deutlichste Signal.
Hinweis: Alle Zahlen in diesem Beitrag stammen aus den im Saal gezeigten Folien von Edith Rottenberger und meinen Notizen vom Abend. Ich übernehme keine Garantie für ihre Genauigkeit. Verbindliche Daten gibt es bei den Veranstaltern bzw. den Referierenden. Außerdem habe ich das Titelfoto durch eine KI bearbeiten lassen und Personen/Gesichter unkenntlich gemacht.